Gestern habe ich wieder gezeichnet. An einem Wochenende wie diesem setze ich mich hin - vielleicht schon mit einer Idee, eventuell mit einer Referenz. Und dann fange ich einfach irgendwie an. Gestern hatte ich schon vor, etwas neues zu probieren. Vor kurzem habe ich Acrylmarker gekauft und ein paar Mal damit experimentiert. Dieses Mal wollte ich ausprobieren, wie es sich anfühlt, mit Aquarell vorzuarbeiten und mit den Markern zu verfeinern. Ich bin hauptsächlich dazu gekommen, weil die Farben der Marker sehr kräftig sind, der helle Hautton aber viel zu hell für mich ist. Mit Aquarell konnte ich etwas ausarbeiten und mischen, das meiner Vorstellung entsprach.
Auf der Suche
Meine Suche nach meiner Stimme, nach meinem Ausdruck… fühlt sich nicht richtig an wie eine Suche. Ich glaube, so sollte es sein. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich zwar, dass ich auf der Suche bin, aber ich denke nicht viel darüber nach. Ich analysiere auch nicht lang, was ich gemacht habe. Im Moment versuche ich vor allem herauszufinden, welcher Prozess sich gut anfühlt. Mein Nordstern ist gerade einfach: dreckig, Chaos.
Eindrücke aus Rogue trader
Und Rogue Trader? Liebe ich immer noch. Es hat sich zu einem meiner Lieblingsspiele entwickelt. Es ist atmosphärisch, etwas düster und mysteriös. Was Story und Charaktere angeht ist alles irgendwie „radikal“ - ein besseres Wort kommt mir gerade nicht in den Sinn. Die Musik unterstreicht das ganze perfekt. Es gibt öfter Momente des Zögerns, manche Entscheidungen sind nicht leicht zu fällen. Denn alles hat Auswirkungen und das gesamte Ausmaß wird sich erst später entfalten. Mein Charakter Lord Captain Minerva Mortis Nyx Von Valancius ist in die unteren Decks gegangen, in die Slums. Ich glaube, sie hat das Leben für ihr Volk dort unten besser gemacht, aber kam mit einem mysteriösen Hautausschlag zurück. Die Charaktere sind toll, weil ich Charaktere mag, die eigentlich nicht „gut“ sind, aber wer ist das schon in der Welt von Warhammer?

An diesem Gefühl will ich mir ein Beispiel nehmen. Für mein Projekt, für meine Kunst. Es soll nicht dieselbe Atmosphäre sein und nicht dasselbe Gefühl, aber es gibt Elemente, die ich in meine eigene Welt übernehmen möchte.
Weltenbau
Mein Rollenspiel hat jetzt einen Namen: Vice/Starships. Man kann es spielen, wie man will, aber ich möchte trotzdem einen Ton oder eine Richtung geben. Ich liebe SciFi, aber am meisten liebe ich die Titel mit Welten, die unpoliert sind. Das ist ein wichtiger Bestandteil für mich und etwas, woran ich noch arbeite.

Als ich zuletzt gespielt habe, hat Kooni auf einem Markt einen Charakter kennen gelernt. Der Charakter ist von dem Volk der C‘hatau und heißt Tile. Es stellte sich heraus, dass Tile irgendeine Art Handel betreibt und ein besonders ungewöhliches Raumschiff fliegt.
Ich hoffe, dass Kooni hier für sie wichtige Informationen bekommen kann. Vielleicht kommt sogar ein Handel zustande.
Was die Spielmechanik angeht, habe ich ja schon eine Lösung für Währung. Allerdings hat meine Charakter bisher nur Ausgaben gehabt und sollte sich darum kümmern, vielleicht irgendeinen Auftrag an Land zu ziehen. Woran ich aber konkret bald arbeiten muss ist Kampf. Bisher kam keiner zustande, aber beinahe. Und dafür habe ich noch kein System.
Bilder aus der Welt
Das RPG gibt mir immer neue Motive und Ideen zum zeichnen. Zum Beispiel brauchte Kooni unbedingt etwas zu essen und der Markt auf Elys Port bot ihr die Gelegenheit.
Der Vrylix grunzt erneut, dieses Mal zustimmend, greift nach dem Werkzeug und wendet die Rippchen mit einer geübten Bewegung. Dann schiebt er die fertigen Skreel-Rippchen fix vom Grill auf eine flache Schale. Das Fleisch dampft noch, die Oberfläche glänzt fettig.
Es ist nicht nur, dass ich Lust habe, solche Dinge zu zeichnen. Es hilft mir auch, die Welt zu entdecken. Die Vorstellung in meinem Kopf ist schon ziemlich klar, aber ich möchte sie festhalten und konkretisieren. In gewisser Weise weiß ich selbst erst dann besser, wie die Skreel-Rippchen aussehen, nachdem ich sie gezeichnet habe. Was vorher nur vage war, wird klarer. Ich würde sagen, es bringt mich näher ans Geschehen und tiefer in die Welt hinein.
February Faces
Aber Vice/Starships ist nicht das einzige, mit dem ich mich gerade kreativ auseinandersetze. Ich habe mir für diesen Monat auch eine Challenge herausgesucht: February Faces. Ich habe diese Challenge gewählt, weil ich dachte, sie würde gut in meinen Alltag passen. Gesichter fallen mir leicht und machen Spaß, ein kleines Portrait habe ich schnell fertig. So habe ich auf jeden Fall jeden Tag etwas gezeichnet und gleichzeitig könnte es mir bei meiner Suche helfen. Bisher habe ich keinen Tag übersprungen und was mir gefällt ist, dass ich viel mit Ausdruck und Gestik arbeiten kann. Es ist eine gute Mini-Flucht aus der Routine und kann auch Einstieg zu mehr sein.
Mehr Bilder: cara.app/mdohr07/all
Aktueller Zustand
Ich springe zwischen den Aktivitäten hin- und her. Zwischen zeichnen, Rollenspiel und Rogue Trader. Was ich dabei an mir selbst beobachte: wie alles zusammenkommt und sich gegenseitig ergänzt. Das ist ein gutes Gefühl. Ich glaube, ich fühle mich künstlerisch gesehen jetzt weniger verloren. Ich bin dabei, meine Stäreken (wieder) zu entdecken. Zwar bin ich noch nicht da, wo ich sein will, aber wann ist man das schon?


