Ich habe ein Abenteuer angefangen

Verfasst vonmdohr am Donnerstag, 22. Januar 2026

Takeoff

Ich habe inzwischen mit meinem neuen Projekt angefangen. Und bisher geht mein Plan - geschildert in meinem letzten Beitrag Skizzen und Sternenkarten - auf.

Enthüllung

Das Projekt ist ein SciFi Solo-Rollenspiel, das ich für mich selbst entwickle und spiele. Damit meine ich ein analoges Rollenspiel, oder auch Solo Journaling RPG. Dazu brauche ich Stift und Papier, der Computer ist aber auch dabei, die eigentliche Schreibarbeit passiert dort. Zum Würfeln benutze ich eine App.

Wie ich hier gelandet bin

Ich habe schon lange Interesse an dieser Art von Spiel, aber an der Umsetzung hat es immer gehapert. Ich habe für eine Weile den Gamesworkshop (heißt jetzt nur noch Warhammer) besucht, wo gebastelt und gespielt werden kann. Nur zum Spielen bin ich kaum gekommen - Minis zusammenzubauen und zu bemalen dauert schon seine Zeit. Wenn die ganze Armee hübsch sein soll, bevor man damit spielt, braucht es Geduld. Davor habe ich auch für kurze Zeit das Rogue Trader Pen & Paper RPG gespielt. Leider ging die Gruppe viel zu schnell wieder auseinander und hier sind passend dazu zwei häufige Probleme mit Rollenspielen dieser Art:

  1. man braucht Leute die sich einigermaßen regelmäßig zusammenfinden können um in oft langen Sitzungen zu spielen
  2. eine Person muss Dungeon Master bzw. Game Master sein. Das ist die Person, die das Spiel leitet und die Geschichte kennt und daher meist keinen eigenen Charakter spielt - nur Nebencharaktere.

Aus Zeitgründen ist dann auch Warhammer eingeschlafen, was sehr bedauerlich ist, aber so ist das mit dem Prioritätensetzen. Und so habe ich mich eigentlich schon öfter gefragt: geht das nicht auch alleine? So richtig habe ich nicht nach einer Antwort gesucht, gebe ich zu. Kurz mal, ja. Aber der allgemeine Ton war, dass man solche RPGs nicht allein spielen kann, weil man ja einen Game Master braucht. Dass es aber doch geht, habe ich durch dieses YouTube Video zufällig herausgefunden. Offenbar gibt es seit Covid inzwischen genug Systeme, um genau das zu ermöglichen. Nicht in der Größe von D&D oder Warhammer, aber das muss ja auch nicht sein.

Das Gefühl

In den letzten paar Ferientagen habe ich mit der Entwicklung meines Rollenspiels angefangen. Ich habe mir ein paar exisitierende Systeme angeschaut, aber was Neues, ganz Individuelles zu erschaffen hat mich mehr gereizt. Das RPG und seine Regeln verfeinere und erweitere ich während des Spiels weiter - oder auch, wenn ich einfach gerade eine gute Idee habe. Mein Projekt besteht aus dem Erfinden und Erweitern durch spielen, aus dessen schriftlicher Aufzeichnung als Teil des Spiels - es entsteht eine Geschichte - und das ganze World Building drumherum, also zeichnen von Charakteren, Orten und so weiter.

Ich habe mit der Charaktererstellung angefangen und mit einem kleinen Plot - gerade genug um anzufangen - und mit einer Karte. Das ist ein Aspekt, der mir an meinem Spiel besonders gefällt. Was das Spielen selbst angeht, so war das am Anfang ziemlich ungewohnt, aber mittlerweile habe ich langsam den Dreh raus. In meiner ersten Session habe ich nur zwei Punkte auf meiner Karte eingezeichnet: wo sich mein Charakter befindet (irgendwo im Weltraum) und wo sie hin will - zu einem Spaceport. Aber die Geschichte muss durch Aufschreiben erzählt werden. Zwar habe ich schon einiges an Regeln erfunden, um einen Game Master zu ersetzen und die Geschichte sowie Zufallsereignisse zu lenken, aber das freie Schreiben ist und bleibt ein wichtiger Teil eines Solo Journaling RPGs. Und dieses freie Schreiben war das, was sich komisch anfühlte - teilweise immer noch tut. Aber je tiefer ich in die Geschichte einsteige, je mehr Form mein Universum annimmt, desto leichter fällt es mir und ich freue mich, wenn ich etwas hinzufügen kann - sei es erzählerisch oder in Bildern.

Kooni G’Dalla ist ratlos – und nicht minder besorgt. Vor ein paar Tagen hat sie noch Kontakt zu der mysteriösen Gestalt, die ihr den Auftrag erteilt hat, eine Lieferung zu tätigen. Gemessen daran, wie sehr der Auftraggeber darauf bedacht war, unerkannt und anonym zu bleiben, an der großzügigen Bezahlung für die erfolgreiche Ablieferung der unbekannten Fracht und an Koonis Bauchgefühl handelt es sich um etwas Illegales. Ihrem Bauchgefühl kann sie trauen. Die meisten ihrer Aufträge sind höchst verdächtig.

Spielen und Schreiben

Wenn ich spiele, suche ich mir auf YouTube einen passenden, musikalischen Hintergrund. Meist Ambient Music mit SciFi-Theme. So ist es am atmosphärischsten. Wichtige Dinge, die ich während des Spiels beachten muss, notiere ich in meinem Journal. Dazu gehören zum Beispiel bemerkenswerte Begegnungen oder Kontakte, Gegenstände und Finanzen. Dieses Journal führe ich nur für das Projekt, gesondert von meinem regulären Journal. Auch Zeichnungen und Einfälle kommen da rein. Dann muss ich meist noch einmal nachlesen, was genau zuletzt geschah und setze dort die Reise fort. Den Spiel-Anteil kann ich am besten zu Hause genießen, aber auch im Büro habe ich schonmal ein paar Minuten investiert, wenn ich zum Beispiel darauf warte, dass ein Meeting startet.

Foto von Journal mit braunem, zerkratzen Ledereinband und einem Anhänger mit zwei niedlichen Cartoon-Häschen

Zwei Momente sind mir bisher mehr als einmal passiert: der Moment, in dem ich kurz stecken bleibe und nicht weiß, wie ich die Geschichte sinnvoll vorantreiben soll. Zum Beispiel: „Wohin geht Kooni jetzt?“ oder „Was sagt der Nebencharakter als nächstes?“. Der zweite Moment ist der, in dem ich spiele und dann auf etwas stoße von dem ich denke, ich sollte dafür mein System erweitern. Das passierte gerade erst diese Woche als Kooni einen Deal abschließen wollte, ich aber noch keine Regeln für Währung und Handel eingeführt hatte. Dann pausiere ich die Geschichte und widme mich stattdessen dem Regelwerk. Also - jetzt gibt es eine Regelung für den Wert von Dingen sowie Ein- und Ausgaben. Beim Startkapital habe ich es mir einfach gemacht: Würfeln und mit zehn multiplizieren, fertig. Ich muss sagen, dass mir das Ausdenken und verknüpfen von Spielregeln viel Spaß bringt.

Der Rahmen

Im Spiel ist Zufall ein wichtiger Faktor der mir hilft, organisch eine Geschichte zu erzählen, die aber für mich selbst Überraschungen bietet. Dennoch finde ich Möglichkeiten, den Zufall nicht zu willkürlich zu machen sondern in gewissem Maße zu lenken, indem ich Regeln einführe. Diese Regeln geben Halt und Struktur, damit das Ganze nicht auseinanderfällt. Der Fokus liegt darauf, Entscheidungen zu treffen, die Sinn ergeben und Spielspaß bringen.

Auch zeichnerisch etwas festzuhalten, kommt für mich so ganz natürlich hinzu. Und dadurch, dass es hauptsächlich der Dokumentation dient, ist der Druck den ich auf mich selbst ausüben kann gering. Dabei zeichne ich nicht nur, was gerade konkret im Spiel wichtig war, sondern auch Dinge, die in Zukunft hinein passen könnten. Wenn ich also Lust dazu habe, die Landschaft eines fremden Planeten aufs Papier zu bringen, mache ich das im RPG-Journal. Vielleicht könnte dieser Ort später eine Rolle spielen. Wenn ich eine Charakter-Inspiration habe gilt dasselbe.

Das kann weg

Ich denke, dass diese herangehensweise es mir erlaubt, alte Erwartungen an mich selbst loszulassen. Erwartungen wie etwas Großartiges zeigen zu müssen, eine einzige, perfekte Illustration online zu stellen oder mich an einen Stil zu binden. Das sind Dinge, die in diesem Kontext keine Rolle mehr spielen. Ich muss auch über keine tolle Idee für ein originelles Werk den Kopf zerbrechen, Themen entstehen jetzt durch Spiel. Und wenn Koonis Geschichte enden sollte, kann ich einfach mit einem anderen Charakter von vorne anfangen, wenn ich will.

Epilog

Einen richtigen Plan habe ich nicht. Ich weiß noch nicht, wieviel davon irgendwann nach außen wandert. Ich habe schon ein bisschen was auf Cara gepostet, soviel kann ich sagen. Wenn ich Lust habe, teile ich ein paar Einblicke. Im Moment poste ich auf Cara, weil ich dort auch keinen Druck spüre und um zu sehen, was am Ende dort zusammenkommt - was für ein Bild sich aus meinen Posts ergibt. Ob und wieviel Text oder Geschichte ich teile, weiß ich hingegen noch nicht. Aber ich weiß schonmal, dass ich dabei bleiben will und bin gespannt zu sehen, wie weit und wie tief meine Welt geht.

Stimmung: inspired

Musik: Keine Musik

Tags:

persönlich

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