Imposter-Syndrom im Praktikum: Warum ich mich oft doof fühle (und was dagegen helfen kann)

Verfasst vonmdohr am Samstag, 27. September 2025

Hier bin ich wieder mit einem neuen Blog Eintrag. Ich habe ehrlich gesagt keine richtige Ahnung davon, was ich schreiben will, dieser Beitrag ist komplett freestyle.

Letztes Wochenende hatte ich keine Energie oder Inspiration mehr etwas zu schreiben, aber auch wenig Zeit. Ich hatte noch den ganzen Sonnabend mit meinem Test-Projekt aus dem Praktikum verbracht. Ich konnte es einfach nicht ertragen das Problem mit dem ich mich zuletzt beschäftigt hatte ungelöst zu lassen. Am Sonntag war es furchtbar windig, darum bin ich leider auch nicht mit dem Rennrad ausgefahren. Ob ich morgen fahre, weiß ich noch nicht. In letzter Zeit ist die Urtikaria ziemlich schlimm, ich bekomme ziemlich schnell, ziemlich stark Ausschlag. Darum habe ich Bedenken morgen loszufahren, obwohl ich natürlich gerne möchte. Aber das soll heute nicht Thema sein.

Ich fühle mich doof

Ja, darüber erzähle ich jetzt was. Als kleiner Disclaimer: ich weiß, das ist ein gewöhliches Problem, besonders bei Programmier-Anfänger:innen. Wobei ich ja im Frontend bin und mich vielleicht nicht direkt als „Programmiererin“ bezeichnen würde. Sagen wir lieber „Entwicklerin“. Was irgendwie komisch klingt - Eine Person die etwas entwickelt, in einer Entwicklungs-Branche und sich in der Entwicklung befindet.

Im Praktikum versuche ich jeden Tag irgendwelche Probleme mit Code zu lösen und versuche meist auf dem aufzubauen, was ich schon habe. Damit meine ich, dass ich mit irgendeiner Komponente angefangen habe, irgendwie herausgefunden habe, wie ich sie zum Laufen kriege. Auf die schaue ich dann, wenn ich versuche, die nächste Komponente zu bauen. Einige Dinge wiederholen sich mehr oder weniger immer wieder, sodass ich eine Art Routine bekomme. Aber es gibt eigentlich immer ein neues, bisher nicht dagewesenes Problem, das ich lösen muss. Am Ende bekomme ich es immer irgendwie hin, aber der Weg war lang, mit vielen Abzweigungen, sodass ich am Ende oft ein bisschen durcheinander bin. Ich versuche immer, das mit viel Theorie zu beheben. Wenn ich Zeit und noch Energie habe, schaue ich mir an, was ich geschrieben habe und gehe es Stück für Stück durch um zu verstehen, was passiert und am besten auch in welcher Reihenfolge. Aber ehrlich gesagt bin ich zu dem Punkt schon meist ziemlich am Ende meiner Kapazitäten.

Gestern habe ich mir tatsächlich den halben Tag dazu reserviert, um meinen eigenen Code zu analysieren, zu versuchen, die Zusammenhänge zu verstehen und aufzuschlüsseln, was mich verwirrt. Zum Beispiel ist mir dabei ein Punkt aufgefallen, der mich glaube ich durcheinander bringt und der betrifft asynchrone Funktionen. Das ist eine Funktion, in der eine Anweisung steht, die aber erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt wird. Fast immer wird der Code von oben nach unten durch den Computer ausgelesen und ausgeführt. Und das ist praktisch, weil ich als Mensch den Code ja auch so lese. Aber die asynchronen Funktionen sind da ein bisschen anders. Da wäre zum Beispiel die Reihenfolge beim Lesen nicht „1, 2, 3“ sondern „1, 3, 2“ und darüber stolpere ich noch. Oder jetzt vielleicht nicht mehr? Aber das nur als Beispiel am Rande. Diese Theorie-Sessions und Dokumentation sind meine Versuche, mich weniger doof zu fühlen.

Es ist eben schwer, den eigenen Lernprozess zu sehen. Ich habe öfter das Gefühl, etwas nicht zu verstehen und weniger oft das Gefühl, dass ich etwas verstehe. Und ich glaube, das ist in meiner Situation auch normal, fühlt sich dadurch aber nicht besser an. Und da ich weiß, dass es vielen Anfänger:innen so geht, habe ich das Thema gegoogelt.

How to feel less stupid when coding

Dabei bin ich auf einen - okay, eigentlich mehrere - Artikel über Imposter Syndrom bei neuen Programmierer:innen gestoßen. Der Artikel beschreibt das Phänomen, dass man Erfolge und Kompetenzen nicht anerkennt und sich innerlich als „Betrüger:in“ fühlt, obwohl es objektive Hinweise auf das Vorhandensein von Fähigkeiten gibt. Besonders neue Programmierer:innen spüren demnach stark, etwas nur mit Glück geschafft zu haben, als einzige:r etwas nicht zu kapieren und werden das Gefühl nicht los, dass bald entlarvt werden wird, dass sie eigentlich überhaupt nichts können.

Jemand mit Imposter Syndrom denkt, dass…

  • eigene Erfolgserlebnisse auf Glück, Zufall oder Hilfe von außen basieren
  • das eigene Nichtskönnen bald bekannt werden wird
  • das Erreichte eigentlich auch gar keine besondere Leistung war („das Problem war ja ganz einfach“)
  • er/sie sich durch übermäßiges Nacharbeiten etwas beweisen muss

Dazu kommt noch, dass Gelegenheiten gemieden werden, bei denen sie als Imposter auffliegen könnten und natürlich darf der Vergleich mit anderen, womöglich viel erfahrerneren Programmierer:innen nicht fehlen.

Keine Selbstdiagnose

Ich diagnostiziere mich hiermit nicht selbst, denn ich habe ja auch noch diese richtig fiese Meme gefunden:

QUIZ: Are you even good enough to have imposter syndrome?

Aber ich weiß, dass ich ständig dass Gefühl habe, „doof“ zu sein und viele der Symptome kommen mir bekannt vor, darum wollte ich ja auch etwas dagegen unternehmen. In dem Artikel gibt es übrigens auch ein paar Tipps, wie sich das Imposter Syndrom bekämpfen lässt und einen Abschnitt darüber, dass es auch Positive Nebeneffekte wie Demut, Empathie, Motivation und Gründlichkeit hat. Einen Satz nehme ich aus dem Artikel für mich besonders mit:

Allein die Tatsache, dass dir dein Fortschritt so wichtig ist, beweist, dass du die wichtigste Eigenschaft überhaupt besitzt – das Herz eines wahren Entwicklers.
Übersetzt von algocademy.com

Ist es heilbar?

Keine Ahnung, vielleicht? Aber persönlich finde ich, die zuvor genannten positiven Nebeneffekte sind es wert, berücksichtigt zu werden. Für mich selbst würde ich daher sagen: so sehr will ich mich da gar nicht ändern. Was ich aber schon will, ist eine gesunde Balance. Ich fühle mich schließlich nicht gern doof. Aber ich weiß durch Recherche und Nachfragen, dass das Gefühl, eigentlich nichts zu wissen wahrscheinlich auch nicht verschwindet, wenn man mehr weiß und mehr gelernt hat. Weil es einfach unendlich mehr zu lernen und zu verstehen gibt. Darum habe ich mir ein paar Strategien überlegt oder aus dem bereits viel zitierten Artikel übernommen, um es mir selbst ein bisschen weniger schwer zu machen.

  1. Eine Sache, die ich mir ein Stück weit von meinem Klassenkameraden im selben Praktikumsbetrieb abgucken kann: wenn der Kopf schon so richtig raucht, bringt es wahrscheinlich nichts, es auf Krampf weiter zu versuchen.
  2. Nicht mit viel erfahreneren Devs vergleichen, sondern mit sich selbst vor x Monaten
  3. Der Weg ist das Ziel - auf den Lernprozess konzentrieren, nicht auf das Resultat
  4. Aufschreiben, wann das Imposter-Gefühl auftritt und was es verursacht hat
  5. Erfolgserlebnisse oder Gelerntes notieren (nochmal versuchen, zuvor dran gescheitert)

Fazit

Ich mache manchmal diese komische Erfahrung: wenn ich mich dazu entschließe etwas zu lernen oder ein Hobby aufzunehmen, dann mache ich es zu einem „speziellen Interesse“.

Als ich damals beschlossen habe, Japanisch zu lernen, habe ich das richtig intensiv gemacht und hundert Prozent gegeben. Es war schwer, nicht an Japanisch zu denken.

Beim Rennradfahren habe ich das ähnlich gemacht, aber nicht ganz so intensiv. Aber ich habe eine Menge Videos, Artikel, Reviews und einige Podcasts zu dem Thema konsumiert. Und jetzt code ich - ernsthaft. Es war ursprünglich ja eher aus der Not heraus, aber da ich von meiner Fähigkeit weiß, mich in ein Thema richtig vertiefen zu können habe ich mir ganz gezielt vorgenommen, das auch zu tun.

Was ich damit sagen will: auch wenn ich mich doof fühle, gebe ich nicht auf. Aber ich weiß auch, dass Coding anders ist, als meine bisherigen „speziellen Interessen“. Vielleicht ist es mit Japanisch lernen vergleichbar, in dem Sinne dass es auch eine Sprache ist und im Japanischen gibt es eine ganze Menge Vokabeln und Schriftzeichen, von denen man kaum alle kennen kann - selbst als Muttersprachler:in. Coding ist da noch breiter gefächert mit seinen ganzen Sprachen, Frameworks, Libraries und mehr. So ist es also keine Überraschung, wenn man eine Weile braucht, das zu lernen und genau wie beim Japanisch muss ich hinnehmen, dass ich niemals alles wissen und verstehen werde.

Stimmung: Entspannt

Musik: Keine Musik

Tags:

praktikum

reflexion

persönlich